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“Die waren so gemein zu mir!”
Wenn Jugendliche vor Gericht stehen


Jannik B. ist nervös. Er ist gerade 20 geworden und muss sich heute vor dem Amtsgericht Neuss verantworten. Die Anklage lautet auf Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung. Wie konnte das bloß passieren? “Erzählen Sie mal”, sagt die Jugendrichterin.

Vor einem halben Jahr war das gewesen, kurz nach Neujahr. Eine Polizeistreife hatte ihn angehalten, weil er auf dem Fahrrad mit seinem Handy telefonierte. Er hatte den Verstoß ja auch zugegeben und das Handy weggepackt. Doch plötzlich sagt einer der beiden Beamten: “Dich kenn’ ich doch!” Und will den jungen Mann durchsuchen. Das aber will Jannik B. sich nicht so einfach gefallen lassen. “Brauchen Sie dafür nicht einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss?” Der Beamte ärgert sich, telefoniert mit der Staatsanwaltschaft. Jannik B. gibt vor, mit seinem Anwalt zu telefonieren. In Wirklichkeit ist es ein befreundeter Jurastudent, aber der weiß auch nicht so recht… “Da hab’ ich die Nerven verloren.” Jannik. B. versucht zu fliehen, die beiden Beamten halten ihn fest, und es gibt ein ziemliches Getümmel. Ein Beamter bekommt dabei einen Schlag auf das Ohr und ist eine Woche lang dienstunfähig – Knalltrauma.

Jannik soll sich jetzt mal entschuldigen, schlägt seine Verteidigerin vor. Jannik B. beteuert, dass es ihm leid tut, er wollte ja nicht, dass jemand verletzt wird, das war keine Absicht… Doch dann platzt es aus ihm heraus: “Die waren aber so gemein zu mir!” Er beißt sich auf die Lippen. Das war jetzt vielleicht nicht so gut?

Aber vielleicht hat gerade diese unüberlegte Äußerung allen klar gemacht, dass hier Jugendstrafrecht und kein Erwachsenenstrafrecht angewendet werden muss. Jannik B. soll 300 Euro Schmerzensgeld an den Beamten zahlen, und mit dieser Auflage wird das Verfahren eingestellt. “Machen Sie es gut, und ich hoffe, dass wir uns hier nicht wiedersehen”, sagt die Richterin zum Abschied.