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„Und als ich die zweite Roulade in die Pfanne legen will, spritzt mir plötzlich das Brat-Öl entgegen!“ Frau H. ist gelernte Köchin. Sie kann braten, wie ein Profi. Sie weiß ganz genau, wie man Rouladen zu braten hat. Dass sie nun einen dicken Verband am rechten Arm tragen muss „wegen Verbrennungen 3. Grades!“, daran ist aus ihrer Sicht nur das Brat-Öl schuld. „In der Werbung sagen die doch immer, das Produkt ist zum Braten so besonders geeignet. Stimmt gar nicht!“
Frau H. will Schmerzensgeld vom Hersteller. „Und wissen Sie, was der mir auf meine Beschwerde hin geschickt hat?“ berichtet sie empört: „Noch eine Flasche von diesem Teufelszeug – mit den besten Empfehlungen!“ Nein, so will sie sich nicht abspeisen lassen. Nun soll ein Anwaltsbrief helfen.
„Hm, hm“, macht der Anwalt. „Versuchen könnten wir es ja, aber es fehlen die Beweise…“ Doch das lässt Frau H. nicht gelten und legt ein ärztliches Attest vor, darin steht etwas von „Verbrennungen 2. Grades“, die sich die Patientin beim „Kochen mit Butter“ zugezogen habe. Ob das wirklich hilft?
Die Antwort ist leider nein. Die Rechtsabteilung der Herstellerfirma bedruckt dazu kein Papier, sie schickt eine E-Mail: „Die Verwendung von heißem Fett in der Küche unterliegt den allgemein geltenden Gesetzen der Natur. Richtig ist, dass unser Produkt hoch erhitzbar ist und sich damit sehr gut zum Braten von Fleisch eignet. Damit geht natürlich auch der Umstand einher, dass das Fett sehr heiß wird, so dass beim Umgang übliche Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden müssen. Dies liegt in der Eigenverantwortung des Verwenders von Bratfett und kann dem Verbraucher von keinem Hersteller abgenommen werden.“
Frau H. ist natürlich enttäuscht und muss folgende bittere Bilanz ziehen: Für das Brat-Öl gilt das Gesetz der Natur, und für den Schmerzensgeldanspruch gilt die Regel, dass man hieb- und stichfeste Beweise benötigt.

(c) Dr. Sybille Weber